„Haus im Leben“ – ein progressives Wohnprojekt zum Nachmachen!

Haus im Leben, Bauteil 1, Innsbruck Amberggasse – Garten mit Spielgerät und Hochbeeten

Das „Haus im Leben“ ist ein sehr progressives und nachhaltiges Wohnkonzept. In Innsbruck wurde kürzlich in unmittelbarer Nähe zum ersten Bauteil der zweite Bauteil am Fürstenweg fertiggestellt. Hier wurde ein spannendes Mehrgenerationen-Wohnprojekt verwirklicht, das ein Vorbild für kommunalen Wohnbau sein sollte.

Ein zentrales Charakteristikum des Projektes ist die Wohnbegleitung. Dabei handelt es sich um eine fest angestellte MitarbeiterIn, die den BewohnerInnen Nachbarschaftshilfe und Unterstützung bei Alltagsproblemen vermittelt:

„Eine Besonderheit des Haus im Lebens ist die organisierte Nachbarschaftshilfe quer über alle Generationen. Dadurch können wichtige Unterstützungen ehrenamtlich und für die Betroffenen kostenlos organisiert werden: Nachhilfe, Jobvermittlung, Kinderbetreuung, Begleitung beim Spazierengehen, Haare richten, Kochen, Rufbereitschaft in der Nacht, Einkaufen, Fahrdienste und vieles mehr. Die Aktivierung der gegenseitigen Hilfestellungen erfolgt durch die Wohnbegleitung, für das Gelingen ist im Besonderen die Qualität der jeweiligen Einzelbeziehung maßgeblich. Die Stärkung der Einzelbeziehungen ist wiederum Teil des sozialen Konzeptes Haus im Leben und findet über gemeinsame Aktivitäten, Veranstaltungen, Ausflüge, Feiern, Rituale und viele Gespräche statt.“ (Zitat von der Homepage „Haus im Leben“)

Bauteil 1 verfügt über 51 geförderte Wohnungen zwischen 50-100m², sowie ein Café, eine Hebammenpraxis, eine Physiotherapie- und Ostheopathiepaxis, einen Bioladen, eine Arztordination, eine Psychologenpraxis, eine Kinderkrippe, eine Energetikerpraxis, einen Bioladen, Gemeinschaftsräume, sowie zwei Gästewohnungen mit je 30m². Das Haus wird bewohnt von 85 BewohnerInnen im Alter von 0-86 Jahren, wovon 16 Personen einen erhöhten Betreuungsaufwand haben.

Bauteil 2 verfügt neben einem ISD-Stadtteiltreff und einem Tageszentrum des Vereins VAGET über 43 geförderte Wohnungen (45-100m²), in denen auch eine Wohngemeinschaft des Psychosozialen Pflegedienstes eingezogen ist. 40% der Wohnungen werden von der Stadt zugeteilt, die restlichen 60% von „Haus im Leben“. Es handelt sich dabei um Mietwohnungen mit Bruttomietkosten von ca. 7€/m², was für Innsbrucker Verhältnisse wirklich über die Maßen moderat ist.

Als Ersatzgemeinderätin beobachte ich die Bautätigkeit in Innsbruck mit Argusaugen. Ich möchte jedoch festhalten, dass ich dieses Wohnkonzept als wirklich zukunftsweisend erachte – es ist das erste Mal, dass mich ein privater Wohnbauträger wirklich positiv überrascht hat. So stelle ich mir auch fortschrittlichen, nachhaltigen, kommunalen Wohnbau vor.

Mit der „Einzugsbegleitung“ am Campagneareal hat die Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) bereits einen Schritt in die richtige Richtung getätigt. Aber wenn wir das „Haus im Leben“ in der Höttinger Au betrachten, so sehen wir: da geht noch mehr! Dieses Projekt und seine beiden Innsbrucker Häuser haben den ganzen Stadtteil Höttinger Au aufgewertet. Die Höttinger Au war bisher ein reiner Wohnbezirk mit wenig Infrastruktur. Nun gibt es endlich ein richtiges Stadtteilzentrum, das einiges an neuen infrastrukturellen Einrichtungen bereithält. Jetzt muss sich nur die Stadt Innsbruck daran ein Beispiel nehmen und ihren kommunalen Wohnbau entsprechend ausrichten. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass auch bestehende, städtische Baukomplexe nach den Kriterien eines „Haus im Leben“ verbessert und weiterentwickelt werden könnten.

Autorin: Irene Labner (Bild und Text)

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