Alternative Liste zeigt sich überrascht über verspätete Diskussion

Marco Frei: „Provokation im öffentlichen Raum landet gern in den falschen Hälsen, die sich dann daran verschlucken und Schnappatmung bekommen.“

„Überraschend, dass es über einen Monat gedauert hat, bis jemand bei der Stadtbücherei vorbeigekommen ist und getriggert wurde“, schlussfolgert Ersatzgemeinderat Marco Frei, Kultursprecher der Alternativen Liste (ALi)

Stein des Anstoßes ist die Ausstellung „Gebt dem Führer euer Ja!“, die begleitend zur Leseaktion INNSBRUCK LIEST und dem Buch DIE GEGENSTIMME konzipiert wurde. „Natürlich sind der Schriftzug und der Titel provokant, beim ersten Anblick war ich selbst irritiert. Aber das kann Kunst eben auch bewirken, und manchmal macht es besonders großen Sinn, solche Werke in den öffentlichen Raum zu stellen und nicht in unbeleuchtete Kellergewölbe“, so Frei. „Allerdings wäre gerade in so einem sensiblen Bereich wie dem Umgang mit der NS-Zeit durchaus eine zusätzliche Beschriftung mit dem Hinweis, dass es sich um eine Ausstellung handelt, sehr hilfreich gewesen. Zusätzlich ist eine begleitende Diskussion wichtig, weil sich die Kommentare auf Social Media mittlerweile fast ausschließlich um die Frage drehen, warum es nicht von der Kunstfreiheit gedeckt sei, wenn irgendwelche Leute Hakenkreuze an Wände schmieren, und diese beinahe alleinige Reaktion dürfte vermutlich auch nicht im Sinne der Ausstellungsmacher*innen sein.“

Kunst müsse nicht allen gefallen, könne ruhig Unruhe bringen und sich auch selbst mal ambitioniert über das Ziel hinauskatapultieren. Aber eben manchmal auch vor- und umsichtig begleitet, erklärt der ALi-Kultursprecher und schlägt die Brücke zu ähnlichen aktuellen Debatten: „Solche Reaktionen und hochgejazzte Empörungen haben dann womöglich auch zur Nichtberücksichtigung des Werkes „Wir haften für unsere Vergangenheit“ (Franz Wassermann) geführt, um sich ähnliche Diskussionen bereits im Vorfeld zu ersparen. Was schade ist: Erinnern kann und soll auch mal weh tun.“

„Ich hoffe, es gibt jetzt keine Anzeigen wegen Wiederbetätigung gegen Art Spiegelmann wegen der Graphik Novel „Maus“ oder gegen die Regisseure von oscarprämierten Filmen wie „Schindler`s Liste“, „JoJo Rabbit“ oder „Die Blechtrommel“, die allesamt nationalsozialistische Zeichen im Sinne einer Aufarbeitung zeigen und in der Stadtbibliothek zu finden sind“, so der ALi-Ersatzgemeinderat und Kulturnetzwerker abschließend.

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