Burghard Breitner – der Arzt der sogar zweimal der NSDAP beitrat

Burghard Breitner wurde 1884 in Mattsee geboren. Er war Autor, Hochschullehrer und Chirurg. Er studierte Medizin in Graz, Kiel und Wien und erlernte das Handwerk der Kriegschirurgie im ersten Balkankrieg 1912/13 sowie auf eigenes Bestreben hin auch an der der Ostfront im ersten Weltkrieg. 1914 geriet er schließlich in russische Gefangenschaft. Da er nach Ende des Krieges aus freien Stücken bis 1920 bei den Kriegsgefangenen in Sibirien verweilte, wurde er nach seiner Rückkehr der „Engel von Sibirien“ genannt.

Bildquelle: kotte-autographs.com

Breitner mag zweifellos ein fähiger Chirurg gewesen sein, doch er war ein noch inbrünstigerer Deutschnationalist und Nazi. Bereits als Schüler verteidigte er einen Lehrer, der vom Direkter wegen seiner deutschnationalen Äußerungen eine Rüge kassierte. Und gleich zu Beginn seines Studiums trat er der deutschnationalen Verbindung ´Vandalia´ bei. In seiner Autobiographie schreibt Breitner dazu folgendes: „Das Corps war gerade damals suspendiert worden, weil einige Mitglieder nach einem Trunkenheitsexzeß einen Wachmann mißhandelt hatten. Die Diffamierung der Verbindung wegen dieser in meinen Augen ,studentischen Heldentat` hatte meinen Eintritt in das Corps zur Folge. Ich habe diesen Schritt nie bereut.

1932 bekam Burghard Breitner eine Professur sowie die Leitung der chirurgischen Universitätsklinik Innsbruck übertragen. Im selben Jahr trat er laut Personalakt der Universität Innsbruck mit einer niedrigen Mitgliedsnummer zum ersten Mal der NSDAP bei. Nachdem der österreichische Ständestaat die NSDAP verboten hatte, trat Breitner aus ebendieser Partei vorübergehend wieder aus. 1938 wollte er schließlich wieder beitreten, doch es gab Komplikationen mit dem Ariernachweis, da die Herkunft seiner Großmutter nicht restlos geklärt werden konnte. Nachdem jedoch ein direkter Führerbefehl den Chirurgen in zivilen als auch militärischen Belangen einem Arier gleichstellte, wurde Breitner im Dezember 1939 offiziell wieder in die NSDAP aufgenommen.

1940 übernahm Österreich das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, das in Deutschland bereits 1934 zur Anwendung kam. Erbgesundheitsgerichte entschieden schließlich darüber, wer sich fortpflanzen darf und wer nicht, damit der „Volkskörper“ keinen Schaden nehme. An der Innsbrucker Klinik gab es vier „ermächtigte Ärzte“, die darüber entschieden, wer einer Zwangssterilisierung zugeführt werden müsse. Das waren die Gynäkologen Siegfried Tapfer und Tassillo Antoine der Radiologe Ernst Ruckensteiner sowie der Chirurg und Klinikvorstand Burghard Breitner. Von den 284 durchgeführten Zwangssterilisationen im Gau Tirol-Vorarlberg entfielen 69 auf die Innsbrucker Klinik (36 an der Chirurgie, 33 an der Gynäkologie). Betroffen waren hauptsächlich Personen, die homosexuell waren, eine psychische Erkrankung oder eine Behinderung hatten. Für den Leiter des Instituts für Zeitgeschichte Dirk Rupnow steht es durch Analyse eines Briefwechsels außer Frage, dass Breitner von den Vorgängen gewusst hatte. Inwiefern er dabei selbst chirurgisch tätig war ist Teil einer wissenschaftlichen Untersuchung, deren Ergebnisbericht leider überfällig ist.

1950 wurde Breitner zum Präsidenten des Österreichischen Roten Kreuzes ernannt. 1951 trat er für den 1949 gegründeten Verband der Unabhängigen VdU (Vorgängerorganisation der FPÖ) als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten an, wobei er als Drittplatzierter scheiterte. 1956 verstarb Breitner in Innsbruck

Die Alternative Liste Innsbrucks bringt daher im Junigemeinderat 2020 einen Antrag zur Umbenennung der Burghard-Breitner-Strasse in der Reichenau ein. Schon lange gibt es Bestrebungen, dass historisch negativ belastetete Straßennamen aberkannt werden, doch bei der Burghard-Breitner-Strasse wurde bislang noch nicht gehandelt. Wir denken, es ist höchste Zeit, dass dieser Straßenzug umbenannt wird und wir hoffen, dass der Antrag dann im Juli, wenn er zur Verhandlung gelangt, bei allen Gemeinderatsfraktionen Anklang finden wird.

Autorin: Irene Labner

Straßenschild in Innsbruck

Quellen:

Ina Friedmann: https://www.uibk.ac.at/zeitgeschichte/hidden-histories/ns-gesundheitspolitik.html

Margret Handler: https://core.ac.uk/download/pdf/11887618.pdf

TT-Artikel Mai 2017: https://www.tt.com/artikel/12971655/leben-des-innsbrucker-ex-chirurgiechefs-breitner-neu-beleuchtet

Margit Reiter, Buch „Die Ehemaligen: Der Nationalsozialismus un die Anfänge der FPÖ“, 2019

Historikerkommission der FPÖ: https://www.fpoe.at/fileadmin/user_upload/www.fpoe.at/dokumente/2019/PDFs/Buch-Historikerkommission-Web.pdf

Webseite der Universitätsklinik für Chirurgie Innsbruck: https://www.chirurgie-innsbruck.at/de/burghard-breitner

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