Damit dir die Decke nicht auf den Kopf fällt

Tirol ist also unter Quarantäne. Seit einer Woche. Niemand darf mehr die eigene Gemeinde verlassen. Wie bisher gilt, dass das Zuhause nur dann verlassen werden darf, wenn du wichtige Besorgungen wie Einkäufe oder Medikamente erledigen musst, wenn du in die Arbeit musst oder wenn du anderen bei ihren Besorgungen hilfst. Spazieren gehen alleine, mit dem Hund und oder den Mitbewohner*innen bleibt erlaubt. Die eigenen vier Wände können oft erdrückend sein, dir kann die Decke auf den Kopf fallen. Damit das nicht passiert, haben wir einige Tipps für dich, was du daheim machen kannst.

1. Plane und halte eine Tagesstruktur ein

Struktur hilft gegen Chaos, gibt Sicherheit und stärkt in Stresssituationen. Unsere Tagesstruktur ist mit einem Ritual vergleichbar: also nicht im Pyjama bleiben, sondern wie immer aufstehen, sich anziehen, die üblichen Essens-, Schlafens-, Arbeits- oder Lernzeiten einhalten. Passe deine Tagesstruktur an die aktuelle Situation an. Geplantes Handeln beugt Kontrollverlust und Hilflosigkeit vor. Durch geplantes Handeln hat man das Gefühl, einer Situation nicht hilflos ausgeliefert zu sein, sondern diese aktiv zu gestalten.

Nimm dir also fixe Arbeiten vor und kümmere dich um Projekte, die du schon lange angehen wolltest. Plane deinen Tag auf ein Highlight hin, auf das du dich freuen kannst. Bleibe in Kontakt mit Menschen und plane mit ihnen Aktivitäten für die Zeit nach der Quarantäne.

2. Konsumiere Medien bewusst, gezielt, aktiv und kritisch

Fakten helfen gegen überschwemmende Gefühle. Seriöse und klare Informationen geben Orientierung und Sicherheit. Vermeide aber ununterbrochenen Medienkonsum. Gestalte den Medienkonsum in Bezug auf COVID-19 bewusst und limitiere diesen. Immer wieder mit bestimmten Bildern und Schilderungen konfrontiert zu werden, auch von seriösen Medien vermittelt, ist nicht hilfreich, sondern belastend.

Es gibt auch Alternativen zur COVID-Berichterstattung und zu Netflix and Chill. Ein gutes Buch kann Abhilfe verschaffen. Selbst wenn du alle Bücher in deinem Haushalt schon gelesen hast, gibt es Möglichkeiten, eine gute Lektüre zu ergattern, auch wenn alle Buchhandlungen geschlossen haben. Bestelle nicht im Online-Handel, sondern nutze dafür dein Smartphone oder deinen PC. 36.000 deutschsprachige Sachbücher, Prosawerke, Lyrikbände und Dramen kannst du dir über das Gutenberg Projekt herunterladen (https://www.gutenberg.org/wiki/DE_Hauptseite). Auf den Partnerseiten des Projekts findest du außerdem über 100.000 Bücher der Weltliteratur (https://www.gutenberg.org/wiki/Gutenberg:Partners,_Affiliates_and_Resources). Auch die Wagner’sche, die Liber Wiederin, die Stadtbücherei und der Haymon Verlag verfügen ebenso über ein eBook-Angebot.

Wenn du gerne Kürzeres liest, dann gibt es für dich auch viele kritische Zeitschriften und Blogs, die du lesen kannst. In Österreich gibt es gleich zwei spannende kritische Medien. Der Mosaik Blog (https://mosaik-blog.at/) bringt Themen, die sonst nicht zur Sprache kommen. Die Autor*innen machen Bewegungen sichtbar, die für eine antirassistische, feministische, ökologische und soziale Wende kämpfen. Sie zeigen solidarische Perspektiven zu tagespolitischen Themen und Alternativen zu autoritärer Wende und Rechtsrutsch auf. Das Tagebuch (https://tagebuch.at/) ist ein linkes, monatliches Debattenmagazin, das normalerweise eine Paywall für Artikel hat. Diese Paywall fällt aber aufgrund der Coronakrise aus solidarischen Gründen flach. Wenn du lieber Englischsprachiges liest, dann ist das Jacobin Magazine das Richtige für dich (https://jacobinmag.com/)

Auch Kultur ist etwas, worauf du nicht verzichten musst. Gerade Kulturschaffende trifft die Coronakrise besonders, weil ihre Auftritte abgesagt sind und damit ihre Einnahmen auf Eis liegen. In Tirol hat sich deshalb die Kulturquarantäne herausgebildet (https://www.facebook.com/KulturQuarantaene). Diese bietet Kulturschaffenden in der schwierigen Zeit eine Plattform. Sie präsentieren über ihren Stream auf Facebook – ganz barrierefrei und für viele Menschen. Wir finden das unterstützenswert. Wenn auch du kulturschaffend bist, dann kannst du dich mit ihnen in Verbindung setzen. Und wenn du kulturaffin bist, dann schau dir doch ihre Videos an.

Medien können nicht zuletzt für deine körperliche Ertüchtigung sorgen. Auf YouTube gibt es unter den Schlagworten „stretching“, „workout“ und „yoga“ ganz viele Anleitungen für Übungen in den eigenen vier Wänden. Aus Südtirol kommt zudem ebenso eine Idee für Abwechslung. Dort ist das Online-Watten gerade sehr populär. Diese Seite ist kostenlos, es wird nicht um Geld gespielt, du kannst dich also kostenlos anmelden. (https://www.watten.org/)

3. Suche Beschäftigung für die Kinder

Deine Kinder sind zu Hause und haben nichts zu tun. Das kann zu Spannungen führen. Auch die Kinder brauchen Routine und einen Tagesplan. Halte die gewohnte Tagesstruktur ein. Plane klare Lern- und Freizeiten. Definiere klar abgegrenzte Stunden, in denen sich jede*r alleine beschäftigt. Mache aber auch gemeinsame Aktivitäten.

Fest steht: Auch wenn keine Schule stattfindet, sollten die Kinder und Jugendlichen lernen. Das ist schon nicht leicht zu organisieren, wenn die Kinder in der Schule sind, aber um ein Vielfaches schwieriger, wenn man (meist) kein qualifiziertes Sachpersonal in der Nähe hat. Dafür gibt es aber auch Hilfe im Web.

Für Mathematik gibt es zahlreiche Angebote für die Zentralmatura, etwa unter srdp.at, die Seite bietet für alle Fächer Zentralmaturabeispiele ähnlich wie aufgabenpool.at. Wenn es etwa um das Fach Deutsch geht, so findet man zahlreiche Aufgabenbeispiele auf http://www.poekl-net.at/deutsch/deutsch.html aber auch auf https://www.mittelschulvorbereitung.ch/, eine Plattform, die übrigens alle anderen Fächer anbietet. Wenn du aber mit deinem Kind die deutsche Grammatik lernst, dann kannst du canoonet.eu konsultieren. Ebenso findest du umfangreiche Erklärungen auf https://www.lernhelfer.de/ sowohl für die Unterstufe als auch die Oberstufe.

Auch sollte, sofern möglich, auf ausreichend Bewegung geachtet werden. Körperliche Betätigung ist jetzt ebenso wichtig. Akzeptiere, wenn dein Kind anhänglicher ist als sonst und komme diesem Bedürfnis deines Kindes nach. Es braucht gerade jetzt Sicherheit und Geborgenheit. Verzichte zu guter Letzt darauf, gerade jetzt große Erziehungsmaßnahmen zu setzen und sieh möglichst von Strafen ab. Versuche dein Kind durch Lob positiv zu verstärken und zu erwünschtem Verhalten zu motivieren.

Die Aktivierung der Kinder ist in dieser Zeit vorranging. Um Kinder zu aktivieren, könnte man selbst Brettspiele basteln oder Wortspiele machen (z.B. Stadt-Land-Fluss). Und die Teenies nutzen zurzeit sehr häufig Videokonferenztools wie die „Houseparty“-App. Eltern sollten ihnen für die Kommunikation den Zugang zum WLAN gewähren, das schont die Nerven.

4. Und was ist mit deinen sozialen Kontakten?

Momentan gilt physical distancing – das heißt, du solltest deine Sozialkontakte, die du irgendwo triffst, reduzieren. Das gilt aber nicht für deine Kontakte via Telefon oder Internet. Nimm dir für sie explizit Zeit. Ruf deine Mitmenschen an, nutze Skype oder ein ähnliches Programm.

Ansonsten gilt gegen Langeweile: Werde kreativ. Anstatt ins Restaurant zu gehen, kann man die Zeit daheim nutzen und neue Rezepte testen. Wer aufgrund von häuslicher Quarantäne nicht nach draußen darf, kann zusammen mit der Familie kreative Projekte starten. Wie wäre es mit neuen, selbst gemalten Bildern für das Wohnzimmer oder Kinderzimmer? Du kannst auch Balkonblumenkästen mit Blumen und Kräutern begrünen. Die Gärtnereien im Umkreis von Innsbruck bieten fast alle Lieferservice an.

Wer gesund ist und sich nicht in häuslicher Quarantäne befindet, der kann sich seine Zeit vertreiben, indem er anderen hilft. Viele Menschen brauchen Unterstützung beispielsweise beim Einkaufen oder bei der Kinderbetreuung. Dafür gibt es auf Facebook inzwischen viele Gruppen wie Innsbruck Hilft! in denen Nachbarschaftshilfe organisiert wird. Wenn du Menschen über 65 in deinem Haus hast oder Kinder, die Betreuung benötigen, kannst du ganz konkret etwas machen: Entweder einen Zettel ins Stiegenhaus hängen, Nummer und Adresse da lassen und dann für gefährdete Nachbar*innen einkaufen gehen, oder du registrierst dich online in diesem Forum: https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSf2q8TEteg8_bg11O5Qq5kndb7qs2xao0uzTV9POgqOI2Kl6w/viewform

5. Ich habe Sorgen – was nun?

Halte dich von Panikmachern fern! Setze Grenzen und verzichte darauf, die massenweise kursierenden SMS, E-Mails, Videos, WhatsApp-Nachrichten und Meldungen auf sozialen Medien zu

COVID-19 zu lesen. Fokussiere dich auf Positives! Der Fokus auf positive Inhalte beruhigt und stabilisiert. Sprich mit Bezugspersonen und achte auf positive Gesprächsinhalte. Nimm deine Gefühle wahr! Wir alle haben unterschiedlichste Gefühle in dieser ungewohnten Situation, z.B. Verwirrung, Angst oder Stress. Diese Gefühle sind absolut verständlich, aber bei einem Zuviel wird man von ihnen überschwemmt. Nimm dir Zeit, um wahrzunehmen und auszudrücken, was du fühlst. Manche Menschen schreiben ihre Gefühle gerne nieder oder werden kreativ (z.B. malen, musizieren oder meditieren). Sprich über deine Gefühle! Wenn du das Bedürfnis verspürst, mit jemandem über deine Gefühle zu sprechen, dann wende dich an eine hilfreiche Bezugsperson.  Sollte diese im näheren Umfeld nicht vorhanden sein, hol dir professionelle Hilfe. Dafür ist diese Nummer (0800 400 120) vorgesehen, die sich eigens um Stresssituationen in Verbindung mit Corona kümmert.

Wir wissen, das Zuhause ist nicht immer ein idyllischer Ort. Gerade in einer Zeit, in der man auf die eigenen vier Wände beschränkt ist, steigt die häusliche Gewalt. Dafür gibt es einen eigenen Notruf. Für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder kann die Corona-Situation gefährlich werden. Schau nicht weg, bei häuslicher Gewalt. Auch du kannst etwas tun! (Frauenhelpline: 0800 222 555). Solltest du das in der deiner Nachbarschaft mitbekommen, dann hör genau hin. Klopf beim Nachbarn an und frag zum Beispiel nach Zucker und konsultiere die Frauenhelpline, was du tun kannst. Notfalls hol die Polizei.

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