Großevents sind teuer – Intransparenz bei der Subventionierung ist nicht hinnehmbar

In der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres 2019 wurden noch Subventionen für die innsbruck-tirol sports Gmbh (ITS) zur Ausrichtung der Winter World Master Games (WWMG) in der Höhe von insgesamt 800 000 Euro beschlossen. Das ist insofern bemerkenswert, als die Entscheidungsfinden zu diesem Punkt alles andere als transparent war. Es war vielmehr alles bereits auf Schiene und musste vor dem Hintergrund, dass die WWMG schon im Jänner 2020 stattfinden, im Gemeinderat noch schnell durchgewunken werden.

Es geht hier nicht darum, die WWMG zu verdammen. Spannend ist freilich die prinzipielle Offenheit der Veranstaltung. Gemäß dem Credo von Olympia kann sich bei den Veranstaltungen jede*r anmelden, der/die die gemessen am Paket wohl vertretbaren Teilnahmegebühr entrichtet. Insofern kann hier wohl mit Fug und Recht behaupten, dass die Olympischen Werte hier eher verwirklicht sind als bei den Olympischen Spielen der letzten Jahre.

Grundsätzlich ist klar: Sportveranstaltungen haben zu Recht auch einen gewissen Stellenwert in der Stadt. Innsbruck ist ein Ort, an dem die olympischen Winterspiele zweimal stattgefunden haben. Innsbruck hat Sportstätten wie die Olympiahalle, eine Bobbahn, Patscherkofel und Seegrube zwei Abfahrten und eine Sprungschanze. Wasser in seinem festen Aggregatzustand spielt nun einmal eine zentrale Rolle in der Landeshauptstadt und dieser muss die Politik Tribut zollen. Das ist nun einmal eine Tatsache. Doch über einen Mangel an Investitionsfreudigkeit auf diesem Gebiet kann sich die Sportszene bei der Politik wahrlich nicht beklagen. Allein in der letzten Sitzung wurden auch ohne die Subventionen für die WWMG Unterstützungen von mehr als einer Million Euro im Gemeinderat für Sportvereine und Sportveranstaltungen beschlossen. Vor dem Hintergrund, dass die Stadt gerade die Kosten des Neubaus der Patscherkofelbahn zu schultern hat und mit dem Bau des Hauses der Musik und der Regionalbahn mehr oder weniger sinnvolle Großprojekte umgesetzt hat und die Gemeindekassen in den nächsten Jahren immer knapper sind, ist die Stadt hier definitiv relativ spendabel.

Aufgrund der hohen Kosten, die auch die WWMG für die Stadt bedeuten, waren nicht alle in der Stadtregierung begeistert darüber, dass die Stadt diese Veranstaltung ausrichten soll, zumal die Stadt ohnehin jeden Cent umdrehen muss, doch die Stadt hat die Verträge diesbezüglich noch unter der damaligen Bürgermeisterin Oppitz Plörer unterzeichnet.

Hinzu kommt, dass der Suventiontionsantrag der ITS keine Kostenaufstellung enthielt. Das ist aber im Sinne der Transparenz bei derartigen Großranstaltungen wesentlich. Angesichts der Tatsache, dass nicht nur die Stadt Innsbruck Austragungsort der WWMG ist, sondern auch die Gemeinden Seefeld, Telfs, Kitzbühel und Praxmar, ist auch erwartbar, dass auch diese Gemeinden ihren Beitrag zur Finanzierung der Veranstaltung leisten und dass das Bundesland Tirol auch ein Interesse daran besitzt, sich an dieser Veranstaltung zu beteiligen. Was uns aber besonders befremdlich erscheint, ist das Fehlen einer monetären Beteiligung des Tourismusverbandes (TVB), der von dieser Veranstaltung offensichtlich profitieren müsste. Denn wenn ein wesentlicher Anteil der Teilnehmer*innen anreist und an den Veranstaltungsorten nächtigt, dann steigen nicht nur der Umsätze der Hoteliers, sondern über die Ortstaxe auch direkt die Einnahmen des TVB. Ein detaillierter Finanzierungsplan ist jedenfalls dem Gemeinderat nicht vorgelegen und die Erfahrung lehrt, dass die vorher veranschlagten kosten, nicht halten. Außerdem ist es befremdlich, dass die Stadt in der selben Sitzung sich als deutlich weniger großzügig bei der Finanzierung des Drug Checkings erweist.

„Sport statt Drogen“ mag ja prinzipiell eine unterstützenswerte Losung sein. Ein Projekt, das es ermöglicht, erworbene Drogen auf ihre Gefährlichkeit testen zu lassen, hat jedoch vor dem Hintergrund der möglichen medizinischen Folgekosten des Konsums besonders gefährlicher Substanzen in unseren Augen Priorität. Gerade die in letzter Zeit verbreiteten hochgefährlichen Cannabinoide hätten hier eine wesentlich umfangreichere Unterstützung seitens der Stadt mehr als gerechtfertigt. Dabei fallen die Kosten dieses Projekts gegenüber denen diverser Großveranstaltungen nicht ins Gewicht. Der Nutzen dagegen ist nachhaltig und offensichtlich, zumal diese Initiative potentiell sogar lebensrettend ist.

Die ALI vertritt jedenfalls die Position, dass die Stadt die Aufgabe hat, ihre Mittel in erster Linie für die Grundbedürfnisse der Bevölkerung aufzuwenden hat. Großevents haben die meisten Menschen in Innsbruck jedenfalls angesichts der exorbitant hohen Lebenskosten ohnehin satt.

Im Innsbrucker Gemeinderat stand es bei den intransparenten Subventionen für die Durchführung der WWMG und bei der Gewährung einer SOG-Förderung für ein lukratives Anlegerprojekt jeweils 39 zu 1. ALI hat als einzige von zehn Gemeinderatsfraktionen diese beiden heißen Eisen auf das Tapet gebracht und ist hier gegen den Strom geschwommen.

Roland Steixner

Foto: Unsplash

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