Winter im Reich des Innsbrucker Stadtbibers – einzigartige Naturoase im dichtbesiedelten Stadtgebiet

In den frühen 80er-Jahren machte meine Mutter mit mir manchmal Spaziergänge entlang des Lohbaches. Je weiter wir dem Bachverlauf hinauf folgten desto schwächer besiedelt war das Gebiet des Stadtteils Hötting West. Einige Jahre später wurde dann die Peerhofsiedlung errichtet und in der Folge noch weitere Wohnblöcke am Oberlauf des Lohbaches. Heutzutage ist das ganze Gebiet sehr dicht verbaut, doch dank der Aulandschaft entlang des Lohbaches leben die Anrainer dort trotz allem nahe an der Natur.

In meiner Kindheit galt der Biber hierzulande als ausgestorben, doch in den letzten zwei Jahrzehnten hat er sich weite Teile Österreichs als Lebensraum zurückerobert, so auch mitunter sehr urbane Gegenden. In Innsbruck gibt es inzwischen mehrere Biberkolonien im Stadtgebiet. Das bekannteste Biberrevier liegt am Lohbach im Westen der Stadt. Doch nicht nur Biber leben hier. Seit fast 20 Jahren dokumentiert die Initiative „Dein Nachbar Lohbach“ viele verschiedene, seltene Tierarten in diesem Bereich, so z.B. den Alpenmolch, dem Kammmolch, die Unke, die Erdkröte, den Grasfrosch, sowie verschiedenste Wasserinsekten.

Bei meinem heutigen, winterlichen Ausflug an den Lohbach konnte ich leider außer einigen Singvögeln und Enten nicht viele Tiere beobachten, denn die meisten tierischen Lohbachbewohner schlafen im Winter. Dennoch findet man ihre Spuren, so auch Fraßspuren des Bibers, der bevorzugt junge Bäumchen annagt. Doch das braucht uns nicht zu beunruhigen, denn das Innsbrucker Amt für Grünanlagen hat an erhaltenswerten Jungbäumchen Gitter als Fraßschutz angebracht und an den großen, alten Bäumen vergreifen sich die Biber ohnehin nicht. Es gibt Dinge in Innsbruck, die laufen richtig gut – das Naturjuwel am Lohbach ist ein Beispiel dafür, dass Städtebau und Naturschutz Hand in Hand greifen können.

Autorin: Irene Labner

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