Housing-First muss auch in Innsbruck machbar sein!

Die USA sind eigentlich nicht für eine ausufernde Sozialpolitik bekannt. Und doch ist dort ein sozialpolitisches Konzept entstanden, das international Beachtung findet. In zahlreichen Städten Europas, wie Amsterdam, Lissabon, Glasgow und Kopenhagen das Konzept getestet und die Resultate sind überzeugend. Auch in Düsseldorf, Köln und Berlin gibt es Modellprojekte. In Österreich wird gibt es Projekte in Wien, Graz und Salzburg.

Es geht um Housing-First, d.h. den Ansatz, obdachlosen Menschen ohne Vorbedingung einen Wohnraum zu verschaffen. Das Konzept der traditionellen Sozialarbeit geht davon aus, dass obdachlose Menschen zuerst „wohnfähig“ werden, d.h. sich in einer sozialen Unterbringungseinrichtung bewähren müssen.

Housing-First geht dagegen von der banalen Erkenntnis aus, dass es wohnungslosen Menschen in erster Linie an einer Wohnung mangelt. Daher zielt dieses Konzept darauf ab, wohnungslosen Menschen ohne Vorbedingung eine Wohnung zu verschaffen. Die Grundannahme von Housing-First besagt, dass ein Mensch zuerst ein Dach über dem Kopf braucht, ehe er Energie dafür hat, seine Lebensverhältnisse zu ordnen. Auch wenn Housing-First keine Therapie ersetzen kann, ist sie in vieler Hinsicht erfolgreich:

  • Ein großer Teil der Menschen, die über Housing-First wohnversorgt werden, kommt dauerhaft von der Straße weg. Mehrere Studien belegen, dass über 70 Prozent derjenigen, die über Housing-First zu einer Wohnung kommen, auch nach 24 Monaten dort bleiben, während über den herkömmlichen Weg nur etwa 40 Prozent aus der Wohnungslosigkeit herausfinden.
  • Housing-First senkt unmittelbar die Kosten für die medizinische Behandlung von Erkrankungen, die als Folgen der Wohnungslosigkeit betrachtet werden können. Dazu gehören Erkältungen, Grippe, Hautekzeme, Eiterherde, Pilzinfektionen, Frostbeulen und nicht zuletzt die Folgen von Gewalteinwirkung und Stress, da weder Körper noch Psyche eine Gelegenheit zur Erholung haben.
  • Aufgrund der Beseitigung des unmittelbaren Überlebensstresses, den obdachlose Menschen haben, werden Kapazitäten frei, um das Leben zu strukturieren und Wege aus Suchterkrankungen oder psychischen Erkrankungen zu beschreiten. Manche Menschen finden so sogar den Weg ins Erwerbsleben zurück.
  • Das Leben auf der Straße begünstigt Kriminalität. Eine nachhaltige Sicherheitspolitik strebt danach, Menschen so schnell wie möglich von der Straße wegzuholen, sofern sie das wollen.
  • Die Kosten für die Unterbringung in Herbergen und Notschlafstellen können unmittelbar reduziert werden.

Housing-First ist nicht nur besser als die traditionelle Herangehensweise, sondern insgesamt auch billiger. Das müsste sogar konservative Politiker*innen, die gerne bei den Sozialausgaben sparen, überzeugen.

Was es braucht, sind bezahlbare Wohnungen, die dauerhaft wohnungslose Menschen vermietet werden können und ein Budget zur Deckung der Wohnkosten, bis die Menschen selbst in der Lage sind, die Mieten zu finanzieren. Zahlreiche Menschen im Sozialbereich fordern, dass dieses Konzept auch in Innsbruck umgesetzt wird.

Autor: Roland Steixner

https://www.berliner-zeitung.de/berlin/modellprojekt–housing-first–eine-eigene-bleibe-fuer-obdachlose—ohne-vorbedingungen-31411908

https://obdachlosesi.wordpress.com/folgen/

https://www.taz.de/!5492773/

https://derstandard.at/2000076183313/Housing-First-Wohnungen-fuer-54-Obdachlose

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