Der Kranebitter Grillplatz-Zwist – ein Interessenskonflikt zwischen Habenden und Nichthabenden?

Als wäre er zentral gesteuert, verbreitet sich derzeit der Kranebitter Spielplatz-Anrainerprotest in den Medien. Sogar der österreichweite TV-Sender „ServusTV“ hat den Anrainern Gehör geschenkt, und diese argumentieren damit, dass sie vor zwei Jahren um teure 400.000 Euro eine Eigentumswohnung neben dem Kranebitter Spielplatz erworben haben. Und nun sei es ganz und gar unzumutbar, dass dort am Wochenende fürchterliche Grillgelage mit großer Rauchentwicklung stattfinden, denn so sei den Wohnungseigentümern ganz und gar die Freude an ihrem Eigentum genommen worden. In den wütenden Protest der Anrainer mischen sich zudem in den Kommentarspalten der Medien dann noch die verärgerten Statements rechter Wutbürger, die beklagen, dass die dort grillenden Familien doch ohnehin keine echten Innsbrucker_innen, sondern Vertreter der migrantischen „Kopftuchfraktion“ wären.

Schon als ich Anfang der 80er Jahre ein kleines Tiroler Kopftuchmädchen war (ja, damals trugen wir Tiroler Mädchen alle Kopftuch), ging ich mit meiner Familie an den Kranebitter Spielplatz zum Grillen. Auch unsere Kindergarten- und Schulfeiern hielten wir oft in Form einer Grillfeier an jenem Spielplatz ab. Und vor gerade mal drei Jahren fand das Klassentreffen meiner Tochter am Spielplatz in Kranebitten statt. Und was für einen Spaß wir Eltern mit den Kinder dabei hatten…das sind wirklich schöne Erinnerungen. Inzwischen wurde der Spielplatz, der früher „Waldspielplatz Kranebitten“ hieß durch Bautätigkeiten verkleinert, und auch der idyllische Wald rundherum ist weg. Doch immer noch sammeln Familien und Schulklassen dort unvergessliche Erinnerungen an gemeinsame Grillnachmittage.

Ich gehe davon aus, dass das Grillen am Kranebitter Spielplatz inzwischen ein ersessenes Recht ist, eine sogenannte Dienstbarkeit, denn es findet seit vielen Jahrzehnten ohne Unterbrechung statt. Jene Menschen, die selbst keinen Garten besitzen, wo sie mit ihren Familien grillen können, denen muss ein solcher Freiraum zugänglich sein. Eine Stadt braucht eine Infrastruktur, wo die Leute gemeinsam ihre Freizeit verbringen können. Es darf nicht sein, dass das Grillen nur mehr ein Recht von Gartenbesitzern ist. Auch die Nichtbesitzenden möchten mit ihren Freunden und Verwandten gemeinsame Grillfeste feiern können.

Es kann außerdem nicht sein, dass jedes Mal, wenn irgendwo ein Privathaus oder Eigentumswohnungen gebaut werden, die städtische Infrastruktur für die restlichen Bürger reduziert wird. Außerdem ist es ja so, dass es in Innsbruck ohnehin nicht so viele schöne, regensichere Wochenenden gibt. Ich bin daher der Ansicht, dass es den Anrainern zumutbar ist, diese zwanzig oder dreißig Grilltage im Jahr auszuhalten. Andere Leute in Innsbruck müssen beispielsweise infrastrukturell bedingten Lärm 365 Tage im Jahr lang aushalten…ich kann ja auch nicht einfach den Flughafen wegwünschen, nur weil ich in der Einflugschneise wohne.

Das Leben in einer Stadt hat viele Annehmlichkeiten, aber natürlich auch Nachteile, die man manchmal auf in Kauf nehmen muss. Die Eigentümer der Wohnungen neben dem Kranebitter Spielplatz dürfen sich daher glücklich schätzen, dass sie die meiste Zeit des Jahres am sonnigsten und schönsten Fleckerl von Innsbruck wohnen. Und sie sollten jenen, die dieses Wohnglück im Eigenheim nicht haben, auch zumindest an den wenigen fürs Grillen geeigneten Tagen im Jahr ein wenig Freude gönnen.

Autorin: Irene Labner

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