Die smarte Stadt, die wir meinen

Der Begriff „Smart City“ ist ein Sammelbegriff für Stadtentwicklungskonzepte, welche Städte technologisch fortschrittlicher, ökologischer und sozial inklusiver zu machen sollten, was leider nicht selten von auftraggebenden Stadtverantwortlichen, sowie von den beauftragten Firmen, als reine Geldmaschine interpretiert wird.

Kritiker warnen davor, dass sich durch die forcierte Digitalisierung und Technologisierung neue Problemfelder auftun, z.B. bezogen auf Überwachungsmaßnahmen, Privatisierungen und Einflussnahme durch Technologiefirmen auf die Stadt und ihre Bürger_innen. Sie beklagen außerdem, dass die Partizipation der Bürger_innen oft zu kurz kommt, während die Lobbyisten großer Technologiekonzerne hingegen in den politischen Entscheidungsgremien ein und aus gehen.

Aus der Sicht der Alternativen Liste geht es bei der Entwicklung zu einer Smart City jedoch nicht um ein Geschäftsmodell, Geld und Einsparungspotentiale. Es geht vielmehr darum, dass Abläufe in der Stadt für die Bürger_innen nützlicher und einfacher vonstatten gehen, sowie dass getroffene stadtplanerische Maßnahmen die Lebensqualität in der Stadt steigern und, dass in der Stadt deutlich weniger Emissionen und Abfälle verursacht werden.

Eine „smarte“, also intelligente City sollte im Endeffekt etwas ganz Einfaches und vor allem Demokratisches sein: eine Stadt für, mit und durch die Menschen, die dort leben.

Vor diesem Hintergrund sollte man zwar behutsam an das Thema Smart City herangehen, aber man sollte unbedingt herangehen. Wir leben mitten im Zeitalter der Digitalisierung und da gibt es kein Zurück mehr. Die Stadt Innsbruck wächst laufend, und das bedeutet auch, dass es in der Verantwortung der Stadtpolitik liegt nachhaltige und das Zusammenleben fördernde Stadtentwicklungskonzepte zu erarbeiten.

Die Stadt Innsbruck will eine Smart City werden und partizipiert daher seit 2014 am EU-Projekt „Sinfonia“, dessen Ziel es ist den Energieverbrauch von Kommunen zu halbieren.

Die Energiereduktion kann jedoch in unseren Augen nur der Beginn eines Weges sein, den Innsbruck in der Stadtentwicklung einschlagen sollte.

Auf der Wirtschaftsebene könnte Innsbruck beispielsweise dadurch Smartness gewinnen, dass die Kommune die Stadt attraktiver macht für Kleinunternehmer, sodass es weniger Leerstände in Innenstadtgeschäften gibt und weniger Geschäfte in die großen Einkaufszentren abwandern müssen. Die Stadt sollte ein Interesse daran haben, dass Nahversorger erhalten bleiben und Handwerksberufe weiterhin Nachwuchs ausbilden können. In Innsbruck haben nämlich in den letzten Jahren immer mehr Betriebe, wie z.B. Bäckereien, Metzgereien, Schuster uvm. zugesperrt, weshalb diese traditionellen Handwerksberufe auch immer stärker vom Aussterben bedroht sind. Dies gilt es zu verhindern.

Überhaupt hängt der Faktor Wirtschaft in einer „smarten Stadt“ sehr stark von der Vielfalt der Bildungsangebote ab. Hier könnte Innsbruck durchaus eine Erhebung machen, in welchen Bereichen das Bildungsangebot optimiert werden sollte.

Was die Bevölkerungsebene betrifft, so könnte die Stadt Innsbruck die „analoge“ Bürgerbeteiligung beispielsweise durch eine Online-Abstimmungsplattform (E-Partizipation) ergänzen und so die Partizipation und Einbindung der Bürger_innen stärken. Das wäre dann der digitale Dorfplatz, eine „digital agora“. Auch der Ausbau der Stadtteilzentren im Sinne eines analogen Dorfplatzes wäre sehr gescheit, da es den sozialen Zusammenhalt in einer Gemeinde stärkt.

Die „Alternative Liste Innsbruck“ macht sich stark für vielseitige Stadtteilzentren, die einerseits ein Platz der Begegnung sind, andererseits aber auch Informations- und Vernetzungsstellen für viele Fragen des Alltags. Darüber hinaus sollten sie Räumlichkeiten für Gesundheitsvorsorge und psychosoziale Begleitung zur Verfügung stellen.

Eine weitere Möglichkeit das Zusammenleben der Bürger_innen besser zu gestalten, könnte durch die Förderung der Sharing Economy geschehen. Die südkoreanische Hauptstadt Seoul hat sich bereits zur „Sharing City“ erklärt. Die Stadtregierung fördert das Teilen&Leihen in allen Bereichen, vom Leihcafé bis hin zu Bürgerbibliotheken, sowie Wohnungs-, Parkplatz- und Carsharing. Sogar einen Fotokatalog unter Creative Commons Lizenz bietet die Stadt ihren Bürger_innen an.

Smarte“ Verwaltung beginnt bei kurzen Wegen. Kurze Wege lassen sich vielfältig interpretieren. Das Bürger_innenbüro im Rathaus ist vielleicht schon als erster Ansatz zu werten. Hier erhält jeder Fragesteller relativ rasch, freundlich und kompetent eine Erstauskunft.

Darüber hinaus benötigt es noch mehr Transparenz auf verschiedenen Ebenen, welche z.B. durch Verwendung von Technologien wie Open Data, Open Government und der schon oben erwähnten E-Partizipation bzw. Online-Mitbestimmung erreicht werden kann. Transparenz bedeutet aber auch, dass Stadtsenatssitzungen endlich genau so öffentlich gehalten werden sollten wie Gemeinderatssitzungen. Eine Stadt hat allerdings nicht nur die Aufgabe den Bürger_innen öffentliche Daten und Informationen bereit zu stellen, sie hat auch die Aufgabe private Daten der Bürger_innen zu schützen!

Eine intelligente Verwaltung zieht sich durch das gesamte Konstrukt auf dem eine Stadt fußt, das reicht von A wie Abfallwirtschaft bis Z wie Zahlen, also Statistiken. Man muss sich die Frage stellen: wo und wie kann man die einzelnen Verwaltungseinheiten energieeffizienter, ökologischer, praktischer und nützlicher gestalten?

Die Stadt Graz ist in der „Smartwerdung“ schon ein Stückchen weiter. Um die Stadt zusehends fortschrittlicher zu gestalten, gibt es Ideenwettbewerbe an Schulen und Forschungsprojekte an der Universität. Vielleicht kann Innsbruck sich von den Entwicklungen in Graz etwas inspirieren lassen.

Wichtig im gesamten Entwicklungsprozess hin zu einer Smart City sind vor allem anderem die Demokratisierung und der Schutz der Bürgerrechte.

Die Bürger_innen müssen von Anfang an laufend informiert und miteinbezogen werden. Technologien dürfen nicht dazu verwendet werden, dass Bürger_innen in ihren Menschenrechten beeinträchtigt werden.

Angesichts einer schwarzblauen Bundesregierung, welche die Überwachung der Bürger_innen forcieren möchte, muss man gerade auch beim Einsatz neuer Technologien in einer Stadt ganz besonders darauf achten, dass die Privatsphäre der Bürger_innen, sowie der Schutz ihrer privaten Daten gesichert sind.

Autorin. Irene Labner

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